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Selten? Übersehen? Gefährdet? Notizen zu zwei Adermooslingen Von Fredi Kasparek, Herten Mit seinem zähen, gummiartigen Fleisch und dem strahlig-leistenförmigem Hymenium, das durch feinere Queradern verbunden ist, erinnert der Stiellose Adermoosling in seiner Konsistenz an ein winziges Judasohr. Diese besonderen, artprägnanten Merkmale in Verbindung mit dem Anspruch auf einen ganz besonderen Lebensraum ist Arrhenia lobata (Pers.:Fr.) Kühner & Lamoure ex Redhead schon im Feld (Sumpf) sicher ansprechbar und mit keinem Gattungsverwandten zu verwechseln. Daher erübrigt sich eine umfassende Beschreibung. Ein Vorschlag für einen zutreffenderen Volksnamen wäre allerdings Gallertfleischiger Adermoosling oder besser noch - Sumpf-Adermoosling, da es weitere ungestielte Arrhenia-Arten gibt (siehe nachstehend A. retiruga). Anlässlich der Frühjahrstagung (1996) des Vereins für Pilzkunde Wissen entdeckte ihn Jürgen Häffner in einer aufgelassenen Kaolingrube bei Erkenroth. Zuvor bereits (1993) wurde die Art bei einer Exkursion in der Vulkaneifel unter der Leitung von Heinz Ebert, Mückeln, von einer Teilnehmerin aufgesammelt. Beide Kollektionen überliessen mir die Finder zu einer Überprüfung, die dann eindeutig auf Arrhenia lobata, den bis dato sogenannten Stiellosen Adermoosling hinwiesen. (Verf. war Teilnehmer beider Exk.) Zwischenzeitlich haben mir Heinz Ebert und Jürgen Häffner brieflich bzw. mündlich versichert, weitere Aufsammlungen in den bekannten, arttypischen Biotopen stets im Frühjahr entdeckt zu haben. Alle dokumentierten Funde erhärten die Aussagen zum Standort und zur Symbiontenwahl. Schweizer Autoren geben schon seit Jahren Hinweise zur symbiontischen Lebensweise des Sumpf-Adermooslings. Er ist keineswegs ein Parasit oder Schwächeparasit, wie es in den meisten Pilzbüchern zu lesen ist und wie es sein Standort vortäuschen mag. A. lobata ist eine hoch angepasste Art, die nur an ganz besonderen Standorten erscheint: ihr Lebensraum umfasst ausschliesslich flache Fliess- Quell- oder Moorgewässer (aber keine echten Sphagnum-Moore). Sie bildet mit lebenden, hygrophilen Moosen eine Symbiose. Ist die Kombination der genannten Bedingungen vorhanden und somit die spezifischen Ansprüche der A. lobata erfüllt, steigt sie durchaus aus den bevorzugten Höhenlagen in die colline Stufe, manchmal auch bis ins Flachland herab und ist sogar in den Niederlanden nachgewiesen. In Deutschland ist der Sumpf-Adermoosling in mehreren
Bundesländern nicht oder nur äusserst selten
dokumentiert. Grössere
zusammenhängende und reichhaltigere Vorkommen sind lediglich
aus dem
äussersten Süden Deutschlands bekannt und
über die Grenzen hinaus bei unseren
Nachbarn in Österreich und in der Schweiz. Hieraus ergibt
sich, dass montane
bis alpine Höhenlagen bevorzugte Verbreitungsgebiete des
Sumpf-Adermooslings
Arrhenia lobata sind. Breitenbach, J. & Kränzlin, F. (1991):
Pilze der Schweiz
Band 3 |