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Wir züchten Austernseitlinge auf
Klopapier.
Zunächst müssen wir die wohlüberlegte Wahl
des besten Klopapiers treffen, denn nicht jedes ist gleich gut
geeignet. Soft und weich und
sechslagig luftgepolstert scheidet aus, weil da erstens zu wenig Holz
und zweitens zu viele Fremdstoffe drin sind. Außerdem bewahrt
es im Kochtopf nicht die Form. Recyclingpapier scheidet auch aus, weil
man nicht weiß was außer hautirritierendem Leim
noch alles drin ist. Das Toilettenpapier sollte in jeder Beziehung neu
sein, weil bei gebrauchtem die Pilze jedwelchen Geschmack annehmen
könnten. (Was im Falle des Austernseitlings vielleicht gar
nicht so verkehrt wäre, weil der naturbelassen sowieso nach
nichts schmeckt.)
Aus den genannten Gründen sollte das Klopapier auch unbedruckt
sein. Bedrucktes Klopapier ist sowieso die idiotischste Erfindung die
ich kenne. Wenn Sie mit unbedrucktem Klopapier nicht leben
können, sei Ihnen eine Methode
empfohlen, die es gestattet, Klopapier mit dem eigenen Drucker zu
bedrucken. Das funktioniert. Besonders mit dem
für die Austernpilzzucht ausschließlich geeigneten
Klopapier: Das harte, einlagige von Hakle auf der 1000-Blatt-Rolle in
der blauen Packung.
Nun haben Sie - nachdem Sie die ganze Stadt danach abgeklappert haben -
eine solche Rolle für ungefähr einen Euro erworben
und tragen Sie stolz nach Hause. Jetzt dürfen Sie 5 Blatt
davon zweckentsprechend verwenden (diesen Luxus sollte man sich einfach
gönnen) und der Rest wird gekocht. Sie stecken also die ganze
Rolle in einen passenden Kochtopf, in dem schon ein Liter Wasser bei
100 Grad brodelt. Deckel drauf und das Ganze muss nun eine Stunde leise
vor sich hin köcheln. Nun kippen Sie den Topfinhalt auf ein
Sieb und lassen die Rolle erstens abtropfen und zweitens
abkühlen. Die Rolle ist innen nun leidlich steril und
ausreichend feucht. Nun ziehen Sie den Pappkern heraus und beimpfen die
Rolle mit Körnerbrut oder mit Impfdübeln,
die Sie mit sauberen Händen in die Mitte und an ein paar
Stellen zwischen die feuchten Papierlagen stecken.
Dann überlassen Sie die Rolle sich selbst und sorgen nur
dafür, dass weder austrocknende Sonne noch Schnecken und
Mäuse sich an ihr oder den anderen Zutaten gütlich
tun.
Bei Bedarf können Sie sie mit der Sprühflasche
anfeuchten.
Nach 2 - 4 Wochen werden aus der Rolle Pilze sprießen.
Die können Ihre Kinder dann mit in den Biologieunterricht
nehmen.
Am besten geht das mit dem Austernseitling, weil der
nahrungsmäßig keine besonderen Ansprüche
stellt und sich fast jedes Substrates überraschend aggressiv
bemächtigt.
Aus diesem Grund ist er auch hervorragend geeignet Pappe zu besiedeln
und zu zerlegen.
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