|
Zucht
des Austernseitlings auf Kaffeesud
Walter
Haidvogl, A - 1235 Wien
Versuche mit einem
Pleurotus-Intermediärstamm, der besonders
durch sein aggressives Wachstum auffallend war und die Idee,
anfallenden
Hausmüll auf seine Eignung als mögliches Substrat zu
testen, führten zu einem
verblüffenden Ergebnis - eine in jedem Haushalt
funktionierende Pilzzucht durch
Recycling von Kaffee-Sud! Bei uns in Österreich werden
jährlich 1 Milliarde
Schalen Kaffee konsumiert. Eine unglaubliche Menge, ebenso wie der
daraus
resultierende Berg an Espresso- und
Filterkaffee-Rückständen. Bestenfalls
landet aber ein Bruchteil davon in der Bio-Tonne oder auf dem Kompost,
obwohl
dieser Kaffeesud ein ausgezeichnetes Substrat für den
Austernseitling liefert.
Zur
Verwendung kommen Espresso- und/oder Filterkaffeesud. Der Filter
braucht nicht
entfernt zu werden, er wird vom Pilz ebenfalls besiedelt. Sollten Sie
kein
Kaffeetrinker sein, fragen Sie einfach Bekannte, Nachbarn oder in Ihrem
Gasthaus/Café nach; man wird Ihnen den benötigten
Kaffeesud liebend gerne abtreten. Als Behälter eignet sich ein
normaler
Plastikeimer mit ca. 12 l, aber auch Plastiktüten,
Blumenkisten oder ähnliches
kann man verwenden. Haben sie ausreichend Kaffeesud gesammelt, wird
einfach die
Brut unter den feuchten Sud gemengt, in den entsprechenden
Behälter abgefüllt
und die Oberfläche leicht angedrückt.
Wichtig ist die optimale Feuchtigkeit des
Kaffeesud: Daumenregel: Eine Handvoll Sud zusammenpressen; es sollten
gerade
einige Tröpfchen Wasser daraus hervorquellen. Den beimpften
Behälter mit
einigen Lagen angefeuchteter Küchenrolle abdecken und
ständig feucht halten.
Nach einem Monat (Richtwert für 12 l-Eimer) bei rund 20 Grad
ist die
Besiedlung abgeschlossen und die ersten Pilze erscheinen. Wichtig:
manchmal
erscheint ein richtiger Rasen von Primordien und an freut sich schon
auf eine
Mega-Ernte; aber es werden sich nur ein Bruchteil davon zu
ausgewachsenen Pilzen
entwickeln und der Rest verkümmert. In diesem Stadium ist es
wichtig, dass sie
täglich mit einem Pflanzenzerstäuber die Pilze vor
dem Austrocknen schützen!
Meine Kultur (12 l -Eimer) fruchtete ca. ein halbes Jahr bei 5 - 6
Erntewellen. Danach waren 2 Drittel des Kaffeesud abgebaut und er
verbleibende
Rest ergab einen ausgezeichneten Dünger für unsere
Topfpflanzen. Somit wurden
2 Drittel des Kaffeesud abgebaut und der verbleibende Rest als
optimaler Dünger
verwendet. Aufgeschlossen durch das Myzel und angereichert durch
Stickstoffe,
die sich aus dem zerfallenden Myzel bilden, war er leicht von der
Pflanze zu
verwerten. Das in Heft 1/97 auf der Umschlagseite 2 abgebildete Foto
zeigt die
Eimerkultur bei einer der letzten Erntewellen.
Die hier verwendete
Austernpilzsorte fruktifiziert bei ~ 8 - 25 Grad C, man braucht also
keine
besonderen Temperaturen zu beachten, sondern die Kultur nur feucht zu
halten.
Noch einige Tipps für Leute die es probieren wollen: Manchmal
tritt beim
Sammeln des Kaffeesuds ein Schimmelbefall auf. Weißliche
Flecken oder auch der
bekannte Grünschimmel können sich zeigen, meist wenn
der Sud zu lange oder zu
feucht gelagert wird. Sollte der Befall nur stellenweise auftreten,
kann man
diese Stellen grob entfernen. In der Regel ist das Myzel so aggressiv,
dass die
Kultur keinen Schaden nimmt.
Zugluft und direkte Sonneneinstrahlung sollten Sie vermeiden.
Pilze lieben hohe Luftfeuchtigkeit, die in einer Wohnung normalerweise
nicht erreicht werden, doch verhilft eine über den
Behälter gespannte
Plastikfolie, versehen mit den entsprechenden Luftlöchern, zu
einem günstigen
Mikroklima. Sind die ersten Primordien etwa 1 cm groß,
entfernt man die
Abdeckung und hält die Oberfläche der Kultur mit
einem Zerstäuber feucht.
Ein
Zeichen für zuwenig Frischluft sind lange Stiele und
trichterförmige Hüte.
Übrigens
kann man dem Kaffeesud auch andere Abfälle beimischen: z.B.
Schnipsel
unbedruckter Wellpappe, Schwarz- und
Kräutertee-Rückstände...
Es bleibt sicher
noch Platz für entsprechende Versuche und ich würde
mich über Infos und
Erfahrungen anderer Hobbyzüchter und Pilzfreunde sehr freuen.
Kinder sind sind
besonders aufmerksame Züchter und mit großer
Begeisterung bei der Sache, wenn
sie die Verantwortung und Betreuung einer Kultur übernehmen
dürfen. So bekommt
die Pilzzucht sogar noch einen pädagogischen Charakter.
|