Evaluierung und langfristiger Vergleich von Pilzvorkommen

Gert Goldhahn, Plauen, Vogtland

Wohl so manch einer hat noch die Erinnerungen seiner Eltern oder Großeltern im Ohr, die von nahezu sagenhaften Pilzfunden berichteten, aus Zeiten als man die “Schwaht zu vergessen ist der typische Vertreter dieser Landschaft der „Vugelbeerbaum (Eberesche). Der Waldboden ist oftmals mit Heide (Erika und Schneeheide) oder Beerkraut (Blaubeere und Preiselbeere) bedeckt. Grasbedeckung kommt nur gelegentlich vor.
Trägt man die gewogenen Fundergebnisse zusammen und macht sie vergleichbar, indem man sie z.B. über die einzelnen Wochen eines Jahres darstellt (Kalenderwochen), so erhält man zum Teil bemerkenswerte Resultate.
Bild 1 zeigt die Funde aller eßbaren Röhrlinge im Verlauf eines Jahres für den Zeitraum 1985 bis 1996, Bild 2 im Vergleich dazu die gefundenen Arten von Röhrlingen. Jeweils dazu ist das letzte Jahr 1996 gesondert dargestellt.
Beide Diagramme verlaufen fast gleich. Die Ersten Röhrlinge treten zumeist in der 22. bis 23. Woche auf, das Pilzjahr endet dann oft noch vor der 48. Woche mit den ersten starken Frösten, die für die genannte Höhenlage nicht ungewöhnlich sind. Das Maximum der Erträge liegt jeweils im Zeitraum der 38. bis 41. Woche, d.h. Ende September bis Anfang Oktober. Dies ist so auch für andere Gegenden festgestellt worden. Der nicht dargestellte Maximalwert in zwei Sammelstunden wurde in der 36. Woche 1986 mit 7,01 kg Röhrlingen pro Stunde gefunden, ein Wert, der selbst unsere Altvorderen beeindrucken sollte.
Erstaunlich ist ein kleines Minimum für das Auftreten von Röhrlingen zumeist ab der 29. Bis zur 32. Woche. Dies war in fast allen der Sammeljahre festzustellen und trat nicht nur bei Röhrlingen, sondern zumeist auch bei anderen Arten auf. Im genannten Zeitraum Mitte August gibt es oftmals mehrwöchige trockene Perioden, die in extremen Jahren zu einem völligen Ruhen das Wachstums führen können, der Wald ist sprichwörtlich wie leer gefegt.
Im relativ kühlen Jahr 1996 war für alle Röhrlingsarten besonders im Frühjahr ein geringerer Ertrag im Vergleich zu anderen Jahren festzustellen. Nach einem verspäteten Start infolge des noch lange gefrorenen Bodens kam die Ausbildung von Fruchtkörpern nur langsam in Schwung. Sie erreichte etwa die Mittelwerte des letzten Jahrzehntes, mehr aber auch nicht, bevor ein zu kalter Herbst das Wachstum wieder zum Stillstand brachte. Deutlich ist aus den Bildern 1 und 2 ersichtlich, daß trotz dem starken Auftreten relativ vieler Röhrlingsarten in der Mitte des Jahres dies sich nicht in einem ebenso intensiven Auftreten von Fruchtkörpern äußerte.
Interessante Resultate findet man, wenn man die Pilzarten einzeln betrachtet. Deutlich zeigt sich in den Bildern 3 bis 6 ein für jede Art typischer Verlauf in Abhängigkeit von den Jahreszeiten Dieser ist für jede Art spezifisch und ändert sich mit den Jahren nur wenig.
Ein typischer Vertreter des Frühjahres ist der flockenstielige Hexenpilz, der aber auch in den anderen Monaten zu finden ist, allerdings mit etwas weniger Erfolg (Bild 3). Ganz anders ist das Auftreten des Lärchenröhrlings. Dieser tritt zumeist schubartig auf und erreicht sein Maximum zumeist erst in der 36. Woche (Bild 4). Der in Bild 5 dargestellte Maronenröhrling ist, obwohl er in vielen Dingen dem Hexenpilz sehr ähnelt, ein typischer Herbstpilz, der zwar auch im Frühjahr schon vereinzelt zu finden ist, seine Hauptverbreitungszeit aber erst im September oder Oktober erreicht und oft bis zu den ersten Frösten durchaus ergiebig zu finden ist. Auch in den Bildern 3 bis 5 ist das für die Röhrlingsarten typische Auftreten einer Minimums in der 31. Bis 33. Kalenderwoche zu sehen.
Bild 6 zeigt als einen der wenigen untersuchten Vertreter, die nicht aus der Familie der Röhrlinge stammen, den Pfifferling. Er ist im Sammelgebiet ein typischer Pilz des Frühjahres und Sommers, aber auch bis in den Spätherbst zu finden.
Die aus den Bildern 1 bis 6 ersichtlichen artenspezifischen Unterschiede des Auftretens der einzelnen Arten über das Pilzjahr sollten für den weniger versierten Sammler zu der Schlußfolgerung führen, daß es wichtig ist, wenn man auf bestimmte Pilzarten Jagd machen will, unbedingt auch auf die Kalenderwoche zu achten.
Interessant, insbesondere für den Umweltschutz, sind auch Aufzeichnungen der Sammelergebnisse über eine längere Zeit. Bild 7 zeigt als Beispiel das Auftreten aller eßbaren Röhrlingsarten, des Maronenröhrlings, der Rotkappe und des Lärchenröhrlings in den letzten 11 Jahren. Dabei sind signifikante Unterschiede zwischen den einzelnen Jahren feststellbar, die u.a. auch mit kälteren bzw. wärmeren klimatischen Bedingungen zu tun haben. So war z.B. beim Maronenröhrling in den Jahren 1991 und 1992 ein Minimum der Erträge erkennbar, beim Lärchenröhrling traten dagegen zur gleichen Zeit relativ gute Werte bedingt durch einen feuchten Frühsommer auf.
Da sich hieraus signifikante Hinweise über die weitere Entwicklung (positiv oder negativ) einzelner Arten bis hin zu Schlußfolgerungen für den Umweltschutz ableiten lassen, sollte das Auftreten von Pilzen insbesondere über einen längeren Zeitraum ist noch weiter untersucht werden,. Dabei wäre es wünschenswert, in zukünftige Betrachtungen auch meteorologische Bedingungen, wie wöchentlicher Niederschlag, mittlere Tages- und Nachttemperatur, Bodentemperaturen usw. mit einzubringen. Neben den genannten meteorologischen Faktoren spielen aber auch andere Dinge wie z.B. der Zustand des Bodens (sauer, neutral oder basisch), Gehalte an bestimmten Mineralien usw. eine Rolle.
Die oftmals glaubhaft versicherte Abhängigkeit des Auftretens von Pilzen von „außerirdischen“ Faktoren, wie etwa der Mondphase konnte für keine der untersuchten Arten ermittelt werden. Ein Einfluß der Sonne ist aber zumindest über die Temperatur nachgewiesen, weitere Einflußgrößen wie z.B. die Sonnenfleckenaktivität wären denkbar und sind noch zu untersuchen.
Wichtig wären auch Vergleiche mit anderen Sammelgebieten, insbesondere über einen längeren Zeitraum. Trotzdem wird man bei allen wissenschaftlichen Betrachtungen wahrscheinlich nie solch exakte Voraussagen für das Pilzwachstum haben, wie wir sie z.B. heute für das Wetter kennen. Für den Umweltschutz wären sie aber von nicht zu unterschätzender Bedeutung.

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